
Auf die Spuren der alten Römer begaben sich vom 8. – 15. März sechzehn Lateinschülerinnen und -schüler in Begleitung von Herrn Maaser und Frau Demann nach Südfrankreich. Am Sonntagabend ging es – gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Frankreich-Austausches – im Bus auf die Reise nach Süden. Nach einer mehr oder weniger bequemen Nachtfahrt, in der mancher nur wenig Schlaf fand, erreichten wir am frühen Montagnachmittag unser Ziel Nîmes – lateinisch: Nemausus – , einst in der römischen Provinz Gallia Narbonensis gelegen, wo die Gruppe in der Jugendherberge Quartier nahm. Das eher norddeutsch-feuchte Wetter ließ die Erkundung der Stadt zunächst im Wesentlichen auf den Weg bis zum nächsten Supermarkt zusammenschrumpfen und begleitete uns auch am nächsten Tag während des Besuches von Arles (lateinisch: Arelate).

Die römische Vergangenheit von Arles ist dort sehr sichtbar: Die römische Arena, Ort zahlreicher Gladiatorenkämpfe, macht auch heute noch Eindruck auf die Besucher. Die Überreste des römischen Theaters wurden ganz praktisch genutzt: Zwei Schüler rezitierten den im Unterricht bearbeiteten Dialog von Antigone und Ismene und nutzten so den antiken Ort für seine eigentliche Bestimmung. Nach einer Mittagspause, die unterschiedlich genutzt wurde, traf man sich wieder, um – jetzt auch bei Sonnenschein – die römische Gräberstraße Alyscamps entlang zu spazieren und einiges über römische Begräbnisriten zu erfahren. Sie ist gesäumt von Grabmälern und Sarkophagen und endet an einer mittelalterlichen Kirchenruine, die mit ihren Gängen und Seitenkapellen genauestens inspiziert wurde.

Der Weg durch die Stadt führte auch an jenem Straßencafé vorbei, das durch das Gemälde van Goghs berühmt wurde – am heutigen Tag allerdings geschlossen. An den Überresten einer römischen Thermenanlage, auch dies ein für die Römer selbstverständlicher Teil ihrer Alltagskultur, konnte Herr Maaser nicht vorbei, ohne einen Blick hineinzuwerfen; immerhin ließ sich hier erahnen, wie die römische „Fußbodenheizung“ in solchen Thermen funktionierte.

Am Mittwoch führte uns der Weg zunächst durch den Park Jardin de la Fontaine, angelegt um eine Quelle, die schon in der Antike mit einem Heiligtum versehen und verehrt wurde. Von dort aus steuerten wir das Musée de la Romanité an, das in verschiedenen Abteilungen anhand von Fundstücken und Rekonstruktionen Einblicke in die römische Welt vermittelt. So wird hier u. a. ein großflächiges Fußbodenmosaik präsentiert, das bei Bauarbeiten für ein Parkhaus entdeckt und geborgen wurde. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die Möglichkeit, sich virtuell mit römischer Kleidung und einer römischen Frisur ausstatten zu lassen.

Im Stadtbild von Nîmes ist das antike Rom ähnlich präsent wie in Arles: Auch hier befindet sich ein gut erhaltenes Amphitheater, das wir natürlich von außen wie innen betrachtet haben, und ein gut erhaltener römischer Tempel, die Maison Carrée, der auf eine bewegte Geschichte in Mittelalter und Neuzeit zurückblicken kann. In der Mittagszeit und am späteren Nachmittag konnte die Zeit individuell genutzt werden – zur Verpflegung (gelungen trotz (fremd-) sprachlicher Schwierigkeiten), zum Shoppen oder auch für einen Frisörbesuch.

Auch wenn es nachts wieder regnete, erwartete uns am Donnerstag wunderbarer Sonnenschein und blauer Himmel am Pont du Gard. Dieser berühmte Aquädukt, also eine römische Wasserleitung, überspannt den Fluss Gardon und versorgte einst das römische Nîmes mit Frischwasser direkt aus einer Gebirgsquelle. Aus verschiedenen Perspektiven konnte dieses beeindruckende Beispiel römischer Architektur bewundert werden. Die Wanderung durch die nähere Umgebung fiel dann allerdings etwas kürzer als geplant aus – die Wege erschienen teils doch recht abenteuerlich.


Nach all diesen Eindrücken aus der römischen Welt bewegten wir uns mit dem Besuch des früheren Papstpalastes in Avignon am Freitag quasi ins Mittelalter. Als wir am Palast ankamen, trafen wir auf die dort wartenden Austauschschülerinnen und -schüler, die auf den Beginn ihrer Stadtführung warteten. Wir schritten durch die Räumlichkeiten des Palastes und konnten hier etwa in der Schatzkammer die Bodenverstecke sehen, in denen das päpstliche Vermögen verwahrt wurde. Auch hier blieb Zeit zum Bummeln, bevor es aus der Stadt heraus über kurvige Straßen (durfte man da mit dem Bus entlang fahren?) zu einem ehemaligen Steinbruch ging, den Carrières de Lumières.
Dort erwartete uns eine Lichtshow, bei der die Werke der berühmten Künstler Pablo Picasso und Frida Kahlo an die Steinbruchwände projiziert, teils mit Bewegungen zum Leben erweckt und mit Musik unterlegt wurden und so eine ganz besondere Atmosphäre erzeugten.

Der Samstag stand im Zeichen der Abreise, die lange Busfahrt warf ihre Schatten voraus. Letzte Einkäufe konnten getätigt werden, bevor wir zu unserem Fahrer Fredi in den Bus stiegen und nach einer gut gefüllten Woche die Heimfahrt antraten. Wieder rollte der Bus mit uns durch die Nacht, und am Sonntagmittag kamen alle müde, aber wohlbehalten wieder am Gymnasium Bremervörde an.
Unser besonderer Dank gilt dem Förderverein des Gymnasiums, der durch seine freundliche und großzügige Unterstützung diese Fahrt mit ermöglicht hat!

(Text und Fotos: Mr)