Die Tetjus-Tügel-Straße-Poet*innen

„Die Liebe in Gedanken – Liebeslyrik analysieren“, so lautet die Kapitelüberschrift im Deutschbuch des zehnten Jahrgangs. Doch die Liebe ist viel zu mächtig und aufregend, als dass sie nur in Gedanken stattfinden sollte. Darum haben wir – im Rahmen der Unterrichtseinheit „Liebeslyrik“ – die Liebe auf die Klassenzimmerbühne gebracht. Die 10a ist mit ihrer Lyrik auf die Bühne gegangen, indem sie Texte zum Themenbereich „Freundschaft – Liebe – Sehnsucht“ verfasst hat.

Beim Lesen der Texte der Schülerinnen und Schüler der 10a fällt schnell auf, wie individuell, intensiv und kreativ verschiedenste Lyrik-Schreibanregungen umgesetzt wurden: Klangeffekte, Variationen einzelner Verse, Sprachexperimente und Erwartungshaltungen wurden durchbrochen.

Durch den Poetry-Slam hat die 10a das Immaterielle Kulturerbe in Deutschland der UNESCO erweitert und ist inhaltlich über das Thema hinausgewachsen.

Viel Spaß beim Lesen der Texte und dem Hineingezogen werden in die Welt der Liebe, in der die Macht und Vielfalt der Sprache deutlich wird.

Anne Hellmiß (Hm)

 Verbotene Liebe
 
 Ich mache abends nicht gerne die Augen zu,
 denn was ich sehe, bist du.
 Ich sehne mich so sehr nach dir,
 aber mehr als Freundschaft war nicht möglich und das wussten wir.
  
 Du bist etwas Verbotenes für mich,
 aber trotzdem denke ich an dich.
 Du bist mehr als unerreichbar,
 das war mir von Anfang an klar.
  
 Ich darf dir nicht näherkommen,
 aber das macht mich nur noch mehr benommen.
 Wir wissen beide, dass das zwischen uns nicht geht,
 weil dabei einfach zu viel auf dem Spiel steht.
  
 Mein Leben ist nicht so, wie ich es wollte
 und meine Gefühlswelt nicht so, wie sie sein sollte. 
 Ich habe Angst, dich zu verlieren,
 aber auch Angst, damit alles zu riskieren.
  
 Eigentlich solltest du nicht mehr Teil meiner Gedanken sein.
 Mein Ziel war es doch immer, mich von dir zu befreien.
 Es war einfach die falsche Zeit.
 Wir waren beide nicht bereit.
  
 Eigentlich ist uns beiden klar,
 was auch immer das zwischen uns war,
 es war richtig,
 doch manche Fehler machen alles nichtig.
  
 Wir beide haben Fehler gemacht,
 mit den falschen Leuten Zeit verbracht
 und uns aufgegeben,
 dabei wollten wir doch ein gemeinsames Leben.
  
 Vielleicht gibt uns das Leben eine zweite Chance - irgendwann.
 Denn ich glaube fest daran.
 Ich gebe nicht auf und werde warten,
 denn irgendwann sitzen wir hinter unserem eigenen Haus in einem schönen Garten. 
 Freunde
  
 Man kennt sich, man versteht sich blind.
 Hältst du mein Geheimnis, tue ich es auch geschwind.
 Die Zeit vergeht wie im Fluge,
 Die Uhr tickt,
 Wir merken es nicht.
 Viele Momente, viele Erinnerungen,
 Haben wir gemeinsam errungen.
 Wir dachten, uns hält nichts auf 
 Und schon waren wir für Monate zu Haus.
 Monate lang kein Treffen mehr,
 Hörten nur unsere Stimmen.
 Online hin, online her,
 Mich mit ihnen treffen, ich will es so sehr.
 Ein Jahr lang nicht viel erlebt,
 Fühlt sich an, als hätt‘ man nicht gelebt.
 Keine Schule, keine Kontakte
 Und trotzdem war man ausgelastet.
 Die Sehnsucht nach Treffen mit Freunden
 Gab mir Hoffnung auf neue Freude.
 Auch wenn man sich nicht treffen konnte,
 Wusste man, dass nicht nur man selbst es wollte. 
 Liebe und Sehnsucht
  
 Lebe jeden Tag des Lebens,
 als ob es dein letzter sei.
 Morgen könnte was passieren,
 schnell ist’s mit dem Glück vorbei.
  
 Liebe stehts von ganzem Herzen,
 nur halt ich dich in diesem bloß.
 Spiele niemals mit Gefühlen,
 sowas wäre ehrenlos.
  
 Lache, das befreit die Seele,
 aber bringt in die Seele Licht.
 Doch einen Rat muss ich dir geben,
 tu es über Elend nicht. 
 Niemals ohne dich
  
 Ich sitz‘ allein in meinem Zimmer,
 Doch ich weiß, du bist da
 Und bist mir nah.
 Ständig stell‘ ich mir die Frage: Wann seh‘ ich dich nur wieder?
 Denn du und ich, das ist für immer und endet nimmer.
  
 In meinem Kopf schwirrt es vor Erinnerung‘,
 Doch diese Zeiten sind wieder um.
 Die Vergangenheit, an der ich halte,
 Ist das, was mir von dir bleibt.
  
 Der Moment, dich ohne Maske wiederzusehen,
 Und einfach aneinander zu stehen,
 Gibt mir die Kraft und Stärke,
 Die mir in Zeiten wie diese niemand gäbe.
  
 Die Sehnsucht nach der erfüllten Liebe,
 Ist wie das Streben nach dem Unendlichen. 
 Ode an die Liebe
  
 Liebe, oh Liebe,
 du lässt mich fühlen warm und erfüllt,
 währet ewig die Geborgenheit,
 doch so fern die Freiheit.
  
 Sehnsucht, oh Sehnsucht,
 du lässt mich träumen so fern,
 wenngleich das, was ich suche ist so nah.
  
 Freundschaft, oh Freundschaft,
 du gibst mir Raum, mich zu entfalten, 
 gibst mir Kraft, mich durch die schweren Zeiten zu geleiten.
  
 Liebe, Sehnsucht, Freundschaft,
 was wäre ich nur ohne euch.
 Sorry not Sorry
  
 Jeden Abend denke ich an dich, 
 Träume von dir und mir,
 Und hoffe, dass du auch liebest mich,
 Entsteht aus dir und mir ein wir.
  
 Denn du und ich,
 Das weiß ich genau,
 Sind für einander bestimmt, 
 Ob in Freiheit oder im Bau.
  
 Ich werde dir bauen ein großes Schloss,
 Wir werden reiten durch die Welt,
 Vielleicht machen wir mal Pause für KFC Cross,
 Oder jemand wird unser Lieferheld.
  
 Ich wollte dir nur sagen, 
 Ich lieb dich so stark wie ein Wrestler,
 Und das kommt mir nun nicht leicht aus dem Magen,
 Ich stehe irgendwie auf deine Schwester.
 Sorry not Sorry. 
 Das Leben in Bogota 
 
 Das Meer ist blau 
 Der Himmel ist grau
  
 Er geht einkaufen bei Netto
 Und hört Schüsse im Getto 
  
 Er lebt in einer schlechten Gegend 
 Das Leben dort ist ein Elend 
  
 Er wohnt in Bogota 
 Und hat Corona 
  
 Sein Leben steht kurz vor dem Ende 
 Sein Range Rover glänzt im Gelände 
 Wahre Freundschaft
  
 An meinen Freund kann ich glauben,
 denn er bringt mich immer wieder zum Staunen.
 Wenn du einen Freund hast, macht er dir Mut
 und nimmt dir all die Wut.
 Dein Freund sagt dir, dass du es kannst
 und nimmt dir somit all die Angst.
 Mit meinem Freund hab ich immer Spaß
 und wir vergessen den ganzen anderen Fraß.
 Und wenn wir uns auch mal hauen,
 ich kann ihm stets alles anvertrauen. 
 Alte Zeiten
  
 Ich will, dass es aufhört
 Möcht‘ mich wieder treffen und fröhlich sein.
 Vermisse die Zeiten,
 als man noch alles machen konnte.
  
 Ich möchte wieder zurück an den Tag,
 Wo alles noch leichter und einfacher war.
 Würde am liebsten aufhören mich zu sorgen,
 Aber das kann ich erst übermorgen.
  
 Ich will die Zeit wieder zurückdrehen,
 Leider wird so etwas niemals geschehen.
 Man hat nur noch ein Gefühl von Langeweile.
 Die hoffentlich bald vorbei ist.
 Wir

 Du, Ich, das ist kein wir,
 Das geht nur zusammen.
 Denn wir, wir ist viel mehr als nur zwei Leute.
 Wir ist Freundschaft, wir ist Liebe,
 Wir ist jemanden nicht müssen zu müssen, zu wollen,
 Und dann doch zu vermissen.
 Jedes ist anders, doch gleichzeitig gleich,
 Was macht unseres dann so besonders?
 Sind es du und ich?
 Nein, das hatten wir schon…
 Ist es das sein wie Yin und Yang?
 Ist es das einander Brauchen?
 Wie Pflanzen und Wasser?
 Ist es das Fühlen, als kenne man sich seit schon immer?
 Dann ist unser Wir doch, doch wie jedes andere…
 Aber das einfach sein, einfach treiben,
 macht unser Wir zu unserem und nicht zu dessen.
 Besonders sind wir sowieso,
 Denn gleich sein kann insgeheim niemand!
 Rosen sind rot
  
 Rosen sind rot,
 Ich helfe dir in Not,
 Falls du ertrinkst auf einem Boot.
  
 Rosen sind blau,
 Ich bin sehr schlau,
 Denn ich steh nicht im Stau.
  
 Rosen sind gelb,
 Du bist meine Welt 
 Und ich bin dein Held.
  
 Rosen sind bunt,
 Ich liebe den Hund,
 Ich hoffe, du bleibst gesund,
 Ich kauf dir einen Hund. 
 Sehnsucht nach Freundschaft
  
 Sehnsucht nach Freundschaft
 Sehnsucht nach Liebe
 Sehnsucht nach einer wechselseitigen Beziehung
  
 Vertrauen und Zusammenhalt
 Bezugspersonen und Seelenverwandtschaft
 Schmerz und Verzeihen
  
 Gegenseitige Anerkennung
 Gegenseitiger Respekt
 Gegenseitiges Vertrauen
  
 Sucht nach Abhängigkeit
 Sehnsucht nach Bezugspersonen
 Süchtig nach Liebe 
 Frühlingstag
  
 Ich vermisse dich
 Das auszusprechen
 Lässt mich dich nur noch mehr vermissen
 Die Zeit ist grausam
 Lässt alles erbleichen
 Es ist nur Winter
 hier an diesem Ort
 Es ist Winter, sogar im August
 Ich will deine Hand nehmen
 Dich auf die andere Seite der Welt bringen
 Nur weg von diesem kalten Ort
 Um diesen endlosen Winter zu beenden
 Wie sehr muss ich dich vermissen?
 Bis der erste Tag des Frühlings kommt
 Lass das Ende des kalten Winters vorüberziehen
 Bis der Frühling wiederkommt
 Bis die Blumen wieder blühen
 Und die Vögel wieder singen
 Lange nicht mehr gesehen
  
 Erst lernten Fremde sich kennen
 Und jetzt sind sie Freunde,
 die sind schwer voneinander zu trennen
  
 Sie genießen ihre gemeinsame Zeit,
 Doch diese wurde jetzt entzweit,
 Sie sitzen nur noch daheim
 Und bleiben meistens allein
  
 Zeit vergeht immer schneller,
 Die Stimmung ist im Keller,
 Sehnsucht nach der Vergangenheit
 Sehnsucht nach der Freiheit
  
 Man denkt es wäre zu spät,
 Doch irgendwann kommt die Normalität